Thymian

Ätherisches Öl 

Thymian

Ätherisches Thymianöl: Alles über Anwendung, Wirkung, Arten, Chemotypen, Rezepte, Mischungen, Nebenwirkungen und mehr.

Ätherisches Thymianöl

 

Thymian

Wie duftet da so kräftig
Als wie von Arzeneien
Und edlen Spezereien
Ein Rüchlein durch die Luft!
Von Blumen, dran geschäftig
Die Finger sich gerieben,
Ist ihnen hangen blieben
Der würzereiche Duft.

Karl von Gerok (1815 – 1890)

Ätherisches Thymianöl gehört zu den Top ätherischen Ölen. In der Aromatherapie hat es seit langem einen wichtigen Stellenwert. Es ist bekannt für seine anregende, antibakterielle und antivirale Wirkung. Doch wer sich genauer mit dem Thymianöl auseinandersetzt, der kann schnell in Verwirrung geraten, denn die Gattung Thymus ist in acht Sektionen unterteilt, und enthält insgesamt gut 200 Arten. Doch nur wenige sind für die Aromatherapie von Bedeutung. Dazu gehören Thymus vulgaris, Thymus mastichina. Der Thymus vulgaris bildet wiederum sieben definierte Chemotypen aus. Das bedeutet, der Thymian passt sich an die jeweiligen ökologischen Bedingungen an und so entstehen Pflanzen, die sich optisch gleichen, aber abhängig von Faktoren wie Klima, Bodenbeschaffenheit, Höhenlage und Sonneneinstrahlung die einzelnen chemischen Komponenten unterschiedlich stark ausprägen. Somit ist auch die Wirkungsweise der einzelnen Chemotypen und Thymianarten zum Teil sehr unterschiedlich. Daher sollte man nicht einfach „Thymianöl“ verwenden, sondern immer eine bestimmte Art bzw. einen bestimmten Chemotyp des Thymians.

Im Folgenden stellen wir ein paar allgemeine Daten zum Thymianöl vor. Die Thymianarten und ihre Chemotypen im Detail finden sich in den Artikeln

Thymus vulgaris

Thymus mastichina

Thymus zygis

Steckbrief

Lateinischer Name: Thymus              

Besonderheiten: 214 Arten, die wiederum unterschiedliche Chemotypen beinhalten können.

Arzneipflanze des Jahres 2006

thymianBotanik

Halbsträucher oder Sträucher, mindestens an der Basis verholzt. Wachsen aufrecht oder niederliegend, gelegentlich flächenbildend. Kleine ganzrandige, gelegentlich gezähnte Laubblätter. Behaarung innerhalb der Gattung variabel. Ährenartige Blütenstände.

Heimatgebiete in Afrika, Europa, gemäßigtes Asien. Die meisten Arten wachsen im Mittelmeerraum. Thymian bevorzugt trockene, nährstoffarme und sandige Böden.

Eigenschaften

Duft: krautig-würzig

Hauptwirkungen/Anwendungsgebiete:

Infektionen, Immunmodulation, Pilzinfektionen, urologische Erkrankungen, Haarausfall, Arthritis, Arthrose, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Verspannungen, Krämpfe, Blasenentzündungen, Verdauungsstörungen, Leberschwäche, Herz-Kreislaufprobleme, Wundbehandlung, allgemeine Schwäche, Nervenschwäche

Nebenwirkungen:

Phenolhaltige Thymianöle sollten nicht unverdünnt auf Haut oder Schleimhäute gelangen, da sie sehr reizend wirken. Besonders beim Chemotyp Thymol ist auf eine ausreichende Verdünnung zu achten.  Recht mild ist jedoch der Chemotyp Linalool.

Bei zu hohem Blutdruck sollte auf die Anwendung von Thymianöl verzichtet werden.

Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.

Thymianöl Eigenschaften

Thymian ist eine altbewährte Heilpflanze. Sein ätherisches Öl zeichnet sich u.a. durch seinen angenehm würzigen Geruch aus.

Geruch

krautig-würzig, kann anhängig von Art und Chemotyp variieren

Farbe

farblos, klar bis rötlich oder rotbraun (abhängig von Thymianart, Chemotyp und Herstellung – wird das Öl in Edelstahlanlagen destilliert, verschwindet die Färbung)

Beweglichkeit

leicht beweglich

harmoniert mit

  • Ylang-Ylang
  • Rosmarin
  • Sandelholz
  • Eukalyptus
  • Rose
  • Lavendel
  • Kiefernnadel
  • Nelke
  • Wacholderbeere
  • Zitrone

Thymianöl Herstellung

Thymianöl wird durch Wasserdampfdestillation des blühenden Krauts gewonnen.

Thymianöl Wirkung

Anwendungsgebiet

Erkältungskrankheiten, Immunabwehr, Atemwege

  • Erkältungskrankheiten allgemein
  • Bakterielle Infektionen
  • Viruserkrankungen
  • Angina
  • Bronchitis
  • Immunmodulation
  • Otitis
  • Sinusitis
  • Rhinitis
  • Tonsilitis
  • Influenza

Gedächtnis und Konzentration

  • Konzentrationsstörungen

Bewegungsapparat

  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Muskelverspannungen
  • Muskelkrämpfe
  • Arthrose
  • Arthritis
  • Sehnenscheidenentzündung

Leber und Galle

  • Leberschwäche

Herz und Kreislauf

  • Durchblutungsstörungen
  • Arterielle Hypotonie
  • Herzschwäche

Mundraum

  • Soorstomatitis
  • Stomatitis

Haut- und Geschlechtskrankheiten

  • Wundbehandlung
  • Dekubitus
  • Frostbeulen
  • Insektenstiche
  • Verbrennungen
  • Ekzeme Fußpilz
  • Vaginalmykosen
  • Pilzinfektionen allgemein
  • Dermatitis
  • Chlamydien-Infektion
  • Phlegmone
  • Akne

Haare und Kopfhaut

  • Haarausfall
  • Läuse

Verdauungssystem

  • Verdauungsbeschwerden allgemein
  • Gastritis

Psychische Beschwerden

  • Depressionen
  • Stress
  • Erschöpfungszustände
  • Angstzustände
  • Allgemeine Schwäche

 

Thymianöl Anwendung

Je nach Beschwerdebild und gewünschter Wirkung gibt es verschiedene Anwendungsmöglichkeiten des ätherischen Thymianöls. Die bewährtesten Anwendungsmöglichkeiten sind:

  • Duftlampe/Vaporisierer
  • Inhalation
  • Vollbad/Fußbad
  • Massageöl
  • Tinktur
  • Lösung zum Gurgeln
  • Umschlag

Bei jeder Anwendung ist auf die richtige Dosierung des Öls zu achten. Die Wirkung des Thymianöls kann durch mischen mit weiteren ätherischen Ölen ergänzt und/oder verstärkt werden.

Anwendungsrezepte und Rezepte für Ölmischungen sind in unserer Rubrik Rezepte zu finden.

Inhaltsstoffe Thymianöl

Die einzelnen Inhaltsstoffe des ätherischen Thymianöls können abhängig von der Thymianart und des Chemotyps stark variieren. Im Folgenden werden die wichtigsten wirksamen Bestandteile aufgelistet:

Monoterpene: α-Pinen, Limonen, Myrcen, γ-Terrine, p-Cymen

Monoterpen-Alkohole: Linalool, Terpinen-4-ol, tr-Thujanol, Borneol,Geraniol

Monoterpen-Ketone: Campher, Verbenon

Monoterpen-Oxide: 1,8-Cineol

Monoterpen-Phenole: Thymol, Carvacrol

Sesquiterpene: β-Caryophyllen

Monoterpenester: Linalylacetat, Geranylacetat

Thymianöl Nebenwirkungen

Bei der Verwendung von ätherischem Thymianöl sollte man stets auf die genaue Dosierung achten, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Thymianöl kann die Haut reizen, daher ist es verdünnt anzuwenden.

Schwangere und Bluthochdruckpatienten sollten auf die Verwendung von ätherischem Thymianöl verzichten.

Die Chemotypen Geraniol und Linalool gelten als besonders mild und können in angepasster Dosierung auch bei Kindern verwendet werden.

Wissenswertes

Das altgriechische Wort thymos  bedeutet Lebenskraft und bezieht sich auf den Gemütszustand eines Menschen. Von diesem Wort leitet sich nicht nur Thymian ab, sondern Thymos war ein von Platon eingeführtes philosophisches Konzept. Thymos stellte in diesem Konzept eine der drei menschlichen Grundmotivationen dar. Nicht umsonst wurden im antiken Griechenland den Soldaten Kränze aus Thymian aufgesetzt, bevor sie in die Schlacht zogen. Das Kraut sollte ihnen Kraft und Mut schenken und auch heute noch gilt Thymian bei vielen als das Kraut, dass Selbstbewusstsein bringt und die Ich-Kräfte stärkt. Im 11. Jahrhundert wurde der Thymian von Mönchen auch in unsere nördlicheren Gefilde gebracht. Er wurde zunächst in Klostergärten angebaut und seine gute Heilkraft machte ihn schnell beliebt. Hildegard von Bingen war eine der ersten, die Thymian in ihren Schriften als wichtige Heilpflanze erwähnte.

Die Gattung Thymus ist ausgesprochen Artenreich, was den Umgang mit Thymian für in der Aromatherapie unerfahrene zum Teil schwierig gestaltet. Zwar wird für therapeutische Zwecke nur ein Bruchteil der über 200 Thymianarten genutzt, doch existieren auch hier oft mehrere Namen für ein und dieselbe Pflanze, was für Verwirrung sorgen kann. Merken sollte man sich die Namen Thymus zygis, Spansicher Thymian oder Roter Thymian genannt wird und offiziell als Stammpflanze zugelasse ist. Thymus zygis zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Thymol aus. Der Thymus mastichina ist in Deutschland auch als Spanischer Majoran bekannt und ist recht mild mit hohem Linalool-Anteil. Der Thymus vulgaris ist die wohl bekannteste Thymianart, die wiederum in verschiedene Chemotypen (Linalool, Geraniol, Thymol und Thujanol) zu unterteilen ist und mit Thymus zygis gemischt werden darf. Weitere auf dem Markt erhältliche Arten sind der Thymus capitatus (Spanischer Oregano), Thymus serpyllum (Quendel), Thymus pulegioides (auch Arzneithymian oder Echter Quendel genannt), Thymus beaticus, Thymus membranaceus und Thymus satureioides.

Aufpassen sollte man auch in Bezug auf die Reinheit des Thymianöls. Dem Chemotyp Thymol wird gerne synthetisches Thymol zugefügt und wer Thymian unter dem Namen „Roter Thymian“ ersteht, muss aufpassen, dass er nicht komplett synthetisches Öl erhält. Für die Linalool und Geraniol Chemotypen gibt es keine offiziellen Standards, was oft dazu führt, dass Chargen gemischt werden oder dass das Öl verdünnt oder verfälscht wird.




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